Anfrage: Fürsorge für finanziell schwache Familien & Antwort

Sehr geehrte Frau Landrätin Dammann
Sehr geehrte Frau Zimmermann-Fiscella

Die Einschränkungen im Kinderbetreuungs- und Schulbetrieb werden ja trotz vieler warnender Stimmen und Stellungnahmen aus Fachkreisen (siehe z.B. https://eliant.eu/aktuelles/stellungnahme-zur-situation-von-kindern-und-jugendlichen-in-der-corona-pandemie-2020/) noch Wochen und Monate andauern.

Ich bitte Sie um einen Bericht, wie Sie und das Sozialamt Vorsorge betreiben, dass insbesondere die am meisten gefährdeten Gruppen nicht dauerhafte psychische, seelische und gesundheitliche Schäden erleiden.

Beispielsweise könnten unsichere Eltern mit unvollständigen Sprachkenntnissen veranlasst sein, ihren Kindern viel zu strenge freiheitsentziehende Maßnahmen aufzuerlegen.

Können Sie sicher stellen, dass diese Eltern umfassend und verständlich aufgeklärt werden, wie ihre Kinder diese schwierige Zeit bestmöglich überstehen und wie sie am besten gefördert werden können?

Welche Hilfen können Sie diesen Familien anbieten?

Wie stellen Sie sicher, dass sich vor allem Kinder, für die das tägliche Mittagessen in Schule oder Kindergarten die wichtigste Mahlzeit am Tag war, jetzt ausreichend und gesund ernähren?

Antwort

Die Umstände und Folgen der Coronakrise waren für die Menschen im Landkreis eine besondere Herausforderung und sind es noch weiterhin. Dies gilt insbesondere für Familien, in schwierigen sozialen Lebenslagen.

Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten hat der Landkreis in Zeit der Corona-Krise alles daran gesetzt, Leistungsangebote im Sozialbereich im möglichen Rahmen aufrechtzuerhalten und die Betreuung über neue kreative Wege fortzusetzen.

Zum Beispiel kann ich Ihnen versichern, dass sich die Integrationsmanager und -managerinnen im Landkreis während der Coronazeit intensiv im Einzelfall um die Flüchtlinge im Landkreis gekümmert haben. Dies erfolgte während der intensiven Kontaktbeschränkungen in der Regel über Telefon und per Mail, bei Erforderlichkeit jedoch auch durch Vorsprache nach Terminabsprachen. Dazu haben die Integrationsmanager und -managerinnen immer wieder Präsenzzeiten in den Büros vor Ort angeboten.

Weiterhin hat die Integrationsbeauftragte Informationsmaterialien in unterschiedlichen Sprachen an die Betreuerinnen und Betreuer, sowie an alle Kontaktpersonen der Ehrenamtskreise versendet. Auch die Ehrenamtlichen hielten in der Zeit der Coronakrise intensiv Kontakt zu den von ihnen betreuten Menschen. Die Schubert-Durand-Stiftung hat die von ihr betreuten Frauen (und deren Familien) regelmäßig per Whatsapp über aktuelle Coronaregelungen informiert. Die Menschen, die mit Migrantinnen und Migranten arbeiten, haben mitgeteilt, dass die Mehrheit der betreuten Menschen über die Coronalage gut informiert ist. Eine erhöhte Nachfrage aufgrund einer signifikanten Verschlechterung der Situation bei den betreuten Menschen war bislang nicht festzustellen.

Auch die Kinder suchtkranker Eltern standen während der Coronakrise nicht alleine da. Die KiSEl- Gruppen im Landkreis haben Konakt zu Eltern und Kindern gehalten und über eine Päckchenaktion die Kinder mit Mal- und Bastelmaterial versorgt.

Sicher ist, dass die vergangenen Wochen für die weitaus meisten Familien extrem belastend waren.  Deshalb hat das Sachgebiet Psychologische Beratung & Frühe Hilfen sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass die laufenden Hilfen nicht womöglich wegen der verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche abgebrochen wurden. Klassische Telefonberatung, Familiengespräche und Helferkonferenzen mittels Telefonkonferenzen, gefolgt von Videokonferenzen, wurden zum guten Ersatz für das vertrauensvolle Beratungsgespräch von Angesicht zu Angesicht.

Um neue Familien anzusprechen, wurde ab Mitte März die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. Am 20.03.2020 erschien in der regionalen Presse die erste Pressemitteilung mit „Tipps für Eltern in der Corona-Krise: Wie man dem „Lagerkoller“ entkommt / Psychologische Beratungsstelle steht telefonisch zur Verfügung“. Am 25.03.2020 erschien die Pressemitteilung „Telefonische Beratung für junge Familien – Die „Frühen Hilfen“ im Landkreis Lörrach unterstützen auch während der Corona-Krise“ in der regionalen Presse. Ebenfalls am 25.03.2020 sendete SWR 4 die Reportage „Schulen und Kitas zu – Kindeswohl in Landkreis Lörrach“  unter Mitwirkung von Herrn SGL Gerhard Rasch, Soziale Dienste und Herrn SGL Günter Koenemund.; Sachgebiet Psychologische Beratung & Frühe Hilfen.  Diese Reportage enthielt eine Reihe von Empfehlungen an Eltern und Hinweise zur Kontaktaufnahme zum Jugendamt, zur Beratungsstelle sowie zu überregionalen Hilfe-Telefon-Angeboten.

In der letzten Märzwoche wurden immer mehr die Sorgen von Familien erkennbar, die eine zusätzliche direkte Hilfe erforderten. Ab dem 30.03. ging das Sachgebiet Psychologische Beratung und Frühe Hilfen mit seiner neuen Hotline „Corona-Krise – Stress zuhause?“ an den Start. Auf Initiative des Leiters des Fachbereichs Jugend  Familie wurde diese Beratungs-Hotline aus dem Stand und ohne zusätzlichen Mitteleinsatz aufgebaut für Familien im Landkreis Lörrach, die durch die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid 19 einen völlig umgekrempelten Alltag bewältigen mussten. Über die zentrale Nummer 410-5555 erreichen die Anrufer täglich von Montag bis Samstag von 9 bis 12 Uhr professionelle Berater der Psychologischen Beratungsstelle des Landkreises. Bei Bedarf werden Übergänge zur kontinuierlichen regelmäßigen (Telefon-)beratung der Psychologischen Beratungsstelle angeboten. Gesprächsinhalte werden anonym erfasst. Die meisten Anrufer müssen vorrangig ermutigt und unterstützt werden, und finden mit diesen Impulsen neue Wege zur Bewältigung der Krise. Manche haben gerade erschütternde Erlebnisse zu verarbeiten (bedingt durch psychische Vorbelastung, Alkoholgenuss, aggressive Ausbrüche, zwischenmenschliche Gewalt etc). deshalb sind diese Angebote überaus wichtig.

Die Telefon-Hotline ergänzt während der Covid-19-Pandemie die regulären Angebote der Psychologischen Beratungsstelle und andere regionale Angebote. Zusammen mit dem Landkreis Ortenau kann der Landkreis Lörrach für sich in Anspruch nehmen, mit der Hotline für Familien Vorreiter für ein schnell verfügbares und kompetentes Angebot für alle Familien mit Corona-bedingten Sorgen, Ängsten und Problemen zu sein. Sie findet landesweit immer mehr Nachahmer.

Über den Facebook-Auftritt des Landkreises haben die Mitarbeiter des Sachgebiets Psychologische Beratung & Frühe Hilfen darüberhinaus seit dem 30.03.2020 in lockeren Abständen Ideen und Tipps vorgestellt, die Familien helfen könnnen, ihren Alltag in der Corona-Pandemie gut zu meistern. Die Veröffentlichung der Tipps und Ideen ist noch nicht abgeschlossen. Die Tipps bezogen sich z. B. darauf, wie Familien die Krise bewältigen und zuversichtlich in die Zukunft blicken können: Stark bleiben! Alls Eltern entspannt und gelassen bleiben! Gemeinsam etwas Schönes tun! Dem Alltag Struktur geben! Miteinander gut auskommen!

Auch die Sozialen Dienste im Fachbereich Jugend & Familie haben im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten Kontakt zu den Eltern und Kindern gehalten, vor allem über Telefon. Dies gilt auch für die Sozialpädagogischen Familienhelfer und -helferinnen. Überhaupt war es handlungsleitend für die Verwaltung, dass – wo immer möglich – soziale Leistungen über kreative Wege im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten durch die Leistungserbringer weiter erbracht wurden. Der Fachbereich Jugend & Familie hat Familien in besonderen Situationen auch durch Sonderbetreuungsangebote und Notfallunterbringung entlasten können. Dies galt insbesondere für Familien, die aufgrund unterschiedlicher Belastungsfaktoren unter einem besonderen Druck standen.

Alle Leistungen an bedürftige Familien im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende, aber auch der Hilfe zum Lebensunterhalt, wurden durchgehend auch während der Coronakrise geleistet. Essensangebote selbst hat der Landkreis nicht zur Verfügung gestellt, da gerade die Zubereitung und Ausgabe von Speisen unter einem besonderen Infektionsrisiko steht.

Für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder gab es eine enge Abstimmung mit dem örtlichen Frauenhaus zur Erhaltung der Schutzvorschriften und ggfs. Entzerrung der Unterbringungsangebote. Mit den Verantwortlichen vor Ort wurde ein Stufenmodell für alle Entwicklungen vorüberlegt und besprochen. Dies gilt im übrigen auch für die Unterbringung von obdachlosen Menschen.

Es besteht nun die Hoffnung, dass durch die Lockerung der Einschränkungen sich auch das Leben für sozial schwache Familien und Kinder langsam wieder normalisiert.
Auch auf dem Weg zurück stehen die Mitarbeitenden des Sozialdezernates den betroffenen Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Das Sozialdezernat steht auch im Austausch mit den Leistungserbringern der unterschiedlichen sozialen Dienstleistungen um sicherzustellen, dass weiterhin im Rahmen des jeweils Möglichen für die betroffenen Menschen die benötigte Hilfe geleistet wird.

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