Zur Ortsumfahrung Rümmingen

Mehrere Bürgerinnen und Bürger haben die Kreisräte angeschrieben und um die Unterstützung der Fortführung der Planung für die Umgehungsstraße Rümmingen gebeten. Diese wird durch weitere Naturschutzmaßnahmen verzögert werden und jetzt wahrscheinlich über 10 Millionen € kosten.

Meine Antwort an die Bürgerinnen und Bürger Rümmingens und Bürgermeisterin Daniela Meier, die sich sehr für die Umfahrung einsetzt:

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Meier
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger Rümmingens

Sie haben mich gebeten, für die weiteren Planungen der Ortsumfahrung Rümmingens zu stimmen.

Ich kann Ihre Sorgen, Nöte und Probleme sehr gut nachvollziehen.

Lärm, Dreck und vor allem Gefahr durch den Autoverkehr beeinträchtigen Lebensqualität und die Sicherheit – vor allem der Kinder und Senioren – sehr.

Aus Ihren Zuschriften habe ich herausgelesen, dass Sie sich die Ortsumfahrung wünschen, um weniger Lärm und Dreck vor der Haustüre zu haben, aber vor allem auch aus Sorge um die Sicherheit der Kinder, Senioren und Familien.

Eine Umgehungsstraße würde aber wieder viele Quadratmeter fruchtbaren Boden versiegeln (mit allen ökologischen Folgen, unter denen dann auch unsere Kinder zu leiden haben) und den Verkehr nicht eliminieren, sondern nur verlagern. Abgesehen davon gibt es viele enge und mindestens genauso belastete Straßen durch alte Ortskerne im Landkreis Lörrach, deren Anwohner dann mit gutem Recht ebenfalls eine Umgehungsstraße fordern könnten.

Eine Umgehungsstraße würde außerdem den Autoverkehr zwischen Kandern und Lörrach weiter beschleunigen und so noch attraktiver machen mit dem Effekt, dass noch mehr Autos fahren.

Das alte Sprichwort: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“ hat sich leider immer wieder bestätigt und ist m.E. noch nie widerlegt worden.

Ich möchte Sie deshalb bitten, sich auf das zu konzentrieren was hoffentlich machbar und naheliegend ist:

Ziel sollte es m.E. sein, die Lörracher Straße (und möglichst die Wittlinger und Binzener Straße ebenfalls) im Ortskern, besser im geamten Ortsbereich als 30 km/h-Zone auszuweisen und diese Geschwindigkeitsbegrenzung durch geeignete Maßnahmen – beispielsweise Berliner Kissen (Sie finden gute Beispiele für Berliner Kissen auf der Weiler Hauptstraße am Berliner Platz) und / oder fest installierte moderne Blitzersäulen auch durchzusetzen.

Vielleicht kann das „Soforthilfepapier“ des VCD hier eine Hilfestellung sein? Vielleicht braucht es auch hier einen langen Atem, auch weil leider im LRA Lörrach die Philosophie der „schnellen Fahrt für freie Bürger“ noch wichtiger zu sein scheint als Sicherheit und Lebensqualität der Anwohner und Anträge der Gemeinden auf 30 km/h-Zonen es hier leider sehr schwer haben.

Für diese Maßnahmen haben Sie aber – soweit der Kreistag da mitentscheiden kann – meine vollste Unterstützung.

Weiterhin sind natürlich auch besser gepflegte und – wo möglich – breitere Gehwege unumgänglich notwendig. Dies sind aber auch Maßnahmen, für die die Gemeinde verantwortlich ist.

Langfristig bitte ich Sie auch um Unterstützung des Ausbaus des ÖPNV, vor allem auch der Planung der Kandertal-S-Bahn (oder Kandertal-Straßenbahn o.ä.), denn nur so kann dauerhaft eine Reduzierung des Autoverkehrs und damit der Gesamtbelastung erreicht werden. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke in den letzten Jahren nicht mehr Unterstützung erfahren hat und so schon viele Jahre vor sich hindümpelt – bei energischer Unterstützung von allen Seiten würde sie vielleicht jetzt schon fahren und den Verkehr und Ihre Belastungen massiv verringern. Die IG Kandertalbahn hat da schon viel Vorarbeit geleistet und viele innovative Ideen und Vorschläge gesammelt. Ein Rückblick auf die Versäumnisse und Fehlentscheidungen finden Sie beispielsweise in diesem Artikel.

Diese Versäumnisse können nicht mehr rückgängig gemacht werden, es kann aus ihnen nur für die Zukunft gelernt werden.

Ich bin außerdem überzeugt, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Quantensprünge in der technischen Entwicklung von ÖPNV-Transportmitteln und ÖPNV-Systemen geben wird. Das jetzige Konzept „Ich steige in mein benzinbetriebenes eigenes Auto, das 95% der Zeit ungenutzt auf der Straße oder in der Garage steht, und stelle das Auto am Ziel wieder ab.“ wird vor allem in Ballungsräumen (und dazu gehören Basel und Lörrach) bald ausgedient haben und neuen Konzepten Platz machen müssen.

Jedenfalls kann man die Zukunft nicht mit den Konzepten aus der Vergangenheit gestalten.

Den Bau dieser Umgehungsstraße und die weitere Versiegelung fruchtbaren Bodens kann ich deshalb aus den genannten Gründen nicht unterstützen, auch zum Wohle der jetzigen Kinder. Ich bitte Sie dafür um Verständnis.  

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